Auch kleine Fehler im Management können schwere Euterprobleme auslösen. Lesen Sie hier, in welchen Bereichen Sie mit kleinen Änderungen viel erreichen können.
Einige Fehler im Umgang mit der Eutergesundheit sind leicht zu vermeiden, werden aber immer noch in vielen Betrieben gemacht. Besonders wenn die Tankmilchzellzahl erhöht ist (> 150 Tausend Zellen/ml Milch) oder klinische Mastitiden häufig auftreten ist es wichtig, die Arbeitsabläufe genau zu überprüfen.
Tücher als Dreckschleuder
Viele Betriebe verwenden textile, waschbare Tücher zur Reinigung der Euter vor dem Melken. Gerade bei Problemen mit der Eutergesundheit sollten Sie diese Praxis hinterfragen. Besonders in Beständen, in denen ansteckende Erreger wie Staphylococcus aureus oder Strepotoccus agalactiae (Gelber Galt) vorkommen, aber auch bei Umweltkeimen wie Streptococcus uberis können sich diese Eutertücher als wahre Dreckschleudern entpuppen.
Bei 90 Grad waschen
Selbst wenn Sie jede Kuh mit einem frisch gewaschenen Tuch
sauber machen, können bei nicht ausreichender Reinigungstemperatur der Tücher
Erreger vom letzten Melkdurchgang auf die Zitze geraten.
Um Erreger sicher abzutöten, müssen Sie die Tücher bei 90 °C waschen. Dabei ist
zu beachten, dass viele Waschmaschinen gerade nach einiger Laufzeit die
angezeigten Temperaturen nicht mehr erreichen. Vermeintlich saubere Eutertücher
werden dann zur Gefahrenquelle.
Abhilfe schaffen hier Einwegeutertücher, von denen auch kompostierbare
Varianten erhältlich sind. Außerdem ist das Einlegen der textilen Tücher in
eine Desinfektionsmittellösung vor dem Waschvorgang möglich. Wenn die Euter
stark verschmutzt sind, sollten Sie die Liegeboxenpflege verbessern!
Dippbecher reinigen
Auch bei Dippbechern ist auf Hygiene zu achten. Selbst das wirksamste Dippmittel tötet keine Erreger mehr ab, wenn der Kotanteil im Becher steigt. Daher sollten Sie Dippbecher mit Rücklaufsperre benutzen und nach jedem Melkdurchgang gründlich reinigen. Sprühfähige Dippmittel bergen zwar, außer im Falle einer Kontamination, keine Gefahr einer Erregerübertragung, die Benetzung der Zitzen ist aber schlechter als bei der Tauchvariante.
Kannenmelkzeug im Visier
Viele Betriebe benutzen für die Frischkalber separate Kannenmelkzeuge. Erkranken viele Kühe direkt nach der Kalbung, sollten Sie das Augenmerk darauf richten. Dieses Melkzeug wird häufig nicht oder nur ungenügend gewartet und nach dem Melken zum Teil nur kurz mit Wasser ausgeschwenkt. Gleichzeitig gelangt es an die krankheitsanfälligsten Tiere der Herde! Häufig finden sich gerade im Sammelstück des Kannenmelkzeugs massenhaft Erreger, die beim Melken an die Zitze und schließlich ins Euter gelangen. Der regelmäßige Wechsel der Zitzengummis sollte daher genauso wie die Reinigung mit einem alkalischen sowie einem sauren Reinigungsmittel im Wechsel nach jedem Melken selbstverständlich sein.
Zitzen richtig versiegeln
Wenn viele frischgekalbte Kühe erkranken, sollten Sie
hinterfragen, ob und wie Sie einen interner Zitzenversiegler verwenden. Die
Versiegler sollen als mechanische Barriere über die gesamte Trockenperiode hinweg
das Eindringen von Erregern in die Zitze verhindern. Da kein Antibiotikum
enthalten ist, führt der Zitzenversiegler im Gegensatz zum antibiotischen
Trockensteller zu keinerlei Keimabtötung. Das heißt auch, dass Keime, die beim
Einbringen des Zitzenversieglers in die Zitze gelangen, dort leichtes Spiel
haben. Das Tragen sauberer Einweghandschuhe und die Desinfektion der Zitze vor
dem Einbringen des Versieglers sind unbedingt erforderlich, wenn Sie Mastitiden
kurz nach dem Trockenstehen verhindern wollen.
Darüber hinaus ist zu beachten, dass der Zitzenversiegler auch wirklich in der Zitze verbleiben muss, um zu wirken. Um dies zu erreichen, müssen Sie die Zitze an der Basis abdrücken und den Versiegler im unteren Bereich der Zitze ablegen. Gelangt er zu weit nach oben, findet man nach der Kalbung häufig noch wochenlang Versieglermaterial in der Milch. Bei einigen Versiegler-Präparaten (z.B. OrbeSeal, NoroSeal) befindet sich ein herstellungsbedingtes Luftkissen im Injektor. Dies sollten Sie vor dem Einbringen des Versieglers entfernen.
Färsenmastitis
Färsen sind die Zukunft des Bestandes. Treten bereits bei den Färsen Probleme auf, wackelt das Grundgerüst des Betriebes. Wenn erhöhte Zellzahlen lediglich beim allerersten Probemelken auftreten und die Zellzahl danach wieder auf unter 100.00 sinkt, handelt es sich oft um Probleme bei der Eingliederung der Färsen in die Herde. Ranghohe Tiere versperren ihnen den Zugang zu Futter, Wasser oder dem Melkroboter. Besonders in überbelegten Beständen stellt dies ein erhebliches Problem dar.
Besauger merzen
Haben Tiere in der ersten Laktation von Beginn an immer oder
immer wieder erhöhte Zellzahlen, liegt das Problem oft im gegenseitigen
Besaugen der Tiere während der Aufzucht. Das Zitzengewebe des besaugten Tieres
ist danach teilweise irreparabel geschädigt. Immer wieder saugende Tiere
sollten Sie merzen, da sie ganze Nachzuchtgruppen verderben können.
Teilweise handelt es sich beim Besaugen um eine schlechte Angewohnheit, die sich die Tiere voneinander abschauen. Häufig reichen die Wurzeln des Problems jedoch Jahre zurück. Bekommen Kälber lediglich zweimal täglich Milch in begrenzter Menge (10% des Körpergewichts des Kalbes pro Tag), können sie ihr natürliches Saugbedürfnis nicht befriedigen und suchen sich „Ersatznuckel“. Oft sind das Euteranlagen anderer Kälber.
Ad libitum tränken
Nachhaltigen Erfolgt bringt die Ad-libitum-Tränke, bei der die Kälber nahezu rund u die Uhr Milch im Eimer haben. Nur während der täglichen Reinigung des Eimers und des Nuckels können sie nicht trinken. Ähnlich der Mutterkuhhaltung nehmen die Kälber dabei Tagesmilchmengen von rund 20% ihres Körpergewichts (8 kg Milch bei einem 40-kg-Kalb) auf, wobei natürlich individuelle Unterschiede existieren. Der Aufwand ist dank Ansäuerung der Milch deutlich geringer als von vielen Landwirten angenommen. Gleichzeitig steigen mit der höheren Tränkemenge die täglichen Zunahmen und die Kälber werden deutlich widerstandsfähiger gegenüber Krankheitserregern. Wer Probleme mit der Eutergesundheit angehen will, darf sich daher nicht auf die Tiere nach der ersten Kalbung beschränken!
Erreger kennen
Die aufgeführten Punkte erheben keinerlei Anspruch auf
Vollständigkeit. Sie sollen aber zum Hinterfragen der Arbeitsabläufe und
Praktiken im eigenen Betrieb anregen.
Wichtig ist die Eingrenzung kritischer Zeitpunkte innerhalb der Laktation bzw. der Trockenperiode. Gleichzeitig sollten Sie wissen, welche Eutererreger am Betrieb vorherrschen. Nur wenn kritische Zeitpunkte und die Erregersituation der Herde bekannt sind können Sie zielgerichtete Maßnahmen ergreifen.


