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16/06/2026

Flüssigfutter für Bienen

1. In Wasser gelöster (alter) Honig 

Das Verfüttern von verflüssigtem Honig erscheint zwar naturnah, birgt jedoch in der imkerlichen Praxis die höchsten Risiken.

  • Räuberei: Extrem hoch. Honig besitzt einen starken, spezifischen Eigengeruch, der Suchbienen massiv anlockt und sehr schnell Räuberei am Bienenstand auslöst. Das ist besonders bei der Fütterung von Ablegern und Kunstschwärmen problematisch. 
  • Haltbarkeit: Gering. In Wasser verdünnter Honig fängt durch die vorhandenen Hefen extrem schnell an zu gären. 
  • Stoffwechselbelastung: Honig enthält Mineralstoffe und unverdauter Reste. Insbesondere dunkle Honige (wie Waldhonig) belasten den Bienendarm im Winter stark, da Bienen während der Winterruhe nicht ausfliegen können, um sich zu entleeren (Gefahr von Ruhr). Zudem steigt bei alter/erwärmter Lagerung der HMF-Wert (Hydroxymethylfurfural), welcher für Bienen hochgradig giftig ist. 
  • Seuchengefahr (Kritischer Faktor): Das Verfüttern von fremdem Honig (insbesondere billiger Importhonig aus dem Supermarkt) ist eine der Hauptursachen für die Verbreitung der Amerikanischen Faulbrut (AFB). Die Sporen dieses Bakmeriums sind im Honig latent vorhanden, für Menschen harmlos, aber für die Bienenbrut tödlich. Das Verfüttern von fremdem Honig ist aus Seuchenschutzgründen strikt zu unterlassen. 

2. Selbstgemachtes Zuckerwasser (z. B. im Verhältnis 3:2 oder 1:1) 

Die klassische, kostengünstige Methode aus Haushaltszucker (Saccharose) und Wasser. 

  • Räuberei: Hoch bis moderat. Es riecht zwar nicht so stark wie Honig, lockt aber bei unsauberem Arbeiten dennoch Räuber an. 
  • Haltbarkeit: Mäßig. Zuckerwasser neigt bei warmen Temperaturen schnell zu Schimmelbildung und Vergärung. Es muss zügig abgenommen werden. 
  • Stoffwechselbelastung: Hoch beim Invertierungsprozess. Da Haushaltszucker ein Zweifachzucker ist, müssen die Bienen körpereigene Enzyme (Invertase) aufwenden, um ihn in Frucht- und Traubenzucker zu spalten. Das zehrt an den Kräften und der Lebenszeit der Winterbienen. Zudem besteht bei zu dünner Fütterung (1:1) ein hoher Energieaufwand für das Eindicken (Wasserverdunstung). 

3. Fertiges Flüssigfutter (Invertzuckersirup / glucose- und fructosebasierte Sirupe)

Industriell hergestelltes Futter, meist auf Basis von Rübenzucker (Saccharose) oder hydrolysierter Stärke (Weizen/Mais). 

  • Räuberei: Geringer als bei Honig oder dünnem Zuckerwasser, da diese Sirupe geruchsarm sind. Dennoch gilt auch hier: Nur abends und sauber füttern. 
  • Haltbarkeit: Sehr hoch. Durch den sehr hohen Trockensubstanzgehalt (meist ca. 72–75 %) und die sterile Abfüllung ist das Futter mikrobiologisch stabil, gärt kaum und schimmelt nicht. Es kristallisiert in den Waben über Winter nicht aus. 
  • Stoffwechselbelastung: Sehr gering. Das Futter ist bereits „vorinvertiert“ (in die Einfachzucker Glucose und Fructose gespalten). Die Bienen müssen kaum eigene Enzyme aufwenden, was die Winterbienen schont. Zudem ist der Wasseranteil geringer, sodass weniger Energie für das Eindicken verbraucht wird.
Bewertung von fertigem Flüssigfutter
Gewerbliches Fertigfutter (wie Apiinvert, Ambrosia oder Weizenstärkesirupe) schneidet im objektiven Vergleich für die Winterauffütterung am besten ab:

Kriterium
Fertigsirup (Inverterzucker)
Selbstgemachtes Zuckerwasser
ArbeitsaufwandSehr gering (gebrauchsfertig)Hoch (Anrühren, Erwärmen)
Bienen-StoffwechselSchonendBelastend (Invertierungsarbeit)
GärstabilitätSehr hochGering (schimmelt/gärt schnell)
PreiseffizienzTeurer in der AnschaffungGünstiger beim Rohstoff

FazitFür den Imker bietet Fertigfutter die höchste Sicherheit gegen Futterkristallisation und minimiert den Energieverlust des Biens im Herbst.

Rübenzuckerbasiert vs. Glucose-/Stärkebasiert: Die Unterschiede

Obwohl beide Produkte als „Flüssigfutter“ oder „Invertzuckersirup“ verkauft werden, unterscheiden sie sich grundlegend in ihrer Rohstoffquelle, ihrer chemischen Zusammensetzung und ihrer Wirkung auf die Biene.

1. Rübenzuckerbasierter Invertzucker (Saccharose-Basis)

  • Rohstoff: Reiner Haushaltszucker (Saccharose), gewonnen aus der Zuckerrübe (oder dem Zuckerrohr). Saccharose ist ein Zweifachzucker, der zu je 50 % aus Glucose (Traubenzucker) und 50 % Fructose (Fruchtzucker) besteht.
  • Zusammensetzung nach Invertierung: Ein ideal ausgewogenes Verhältnis von Fructose, Glucose und einem kleinen Restanteil ungespaltener Saccharose.
  • Vorteile für die Biene: Dieses Zuckerverhältnis kommt dem natürlichen Nektar sehr nahe. Da der Fructoseanteil hoch ist, bleibt das Futter in den Waben extrem lange flüssig und kristallisiert im Winter nicht aus. Es ist für den Bienendarm optimal verträglich.

2. Glucosebasierter Invertzucker (Stärke-Basis / Isoglucose) 

  • Rohstoff: Pflanzliche Stärke, meist gewonnen aus Mais oder Weizen. Stärke besteht rein chemisch aus langen Ketten von reiner Glucose (Traubenzucker). Sie enthält von Natur aus keine Fructose. 
  • Zusammensetzung nach Invertierung: Da reine Glucose in den Waben sehr schnell hart wird und auskristallisiert (wie man es von Rapshonig kennt), muss ein Teil der Glucose technisch in Fructose umgewandelt werden. Solche Sirupe (oft als Isoglucose oder High-Fructose Corn Syrup / HFCS bezeichnet) werden so eingestellt, dass sie z. B. 40 % Fructose, 50 % Glucose und Restzucker (Maltose/Maltotriose) enthalten. 
  • Nachteile für die Biene: * Kristallisationsrisiko: Der Glucoseanteil ist oft höher als der Fructoseanteil. Das erhöht das Risiko, dass das Futter bei langanhaltendem Frost in den Waben hart wird. Die Bienen können den kristallisierten Zucker im Winter mangels Wasser nicht aufnehmen und verhungern auf vollen Waben. 
  • Stoffwechselbelastung: Stärkebasierte Sirupe enthalten herstellungsbedingt oft höhere Anteile an längerkettigen Zuckern (Maltose, Dextrine), die von den Bienen schwerer verdaut werden können und die Kotblase im Winter belasten. 

Die Arten der Invertierung (Spaltung der Zucker) 

Unter „Invertierung“ versteht man die Aufspaltung von lang- oder zweifachkettigen Zuckern in die leicht verdaulichen Einfachzucker Glucose und Fructose. In der Industrie kommen drei Verfahren zum Einsatz, die sich stark auf die Futterqualität auswirken: 

1. Enzymatische Invertierung (Das schonendste Verfahren) 

  • Ablauf: Der Ausgangsstoff (Rübenzucker oder Stärke) wird mithilfe von spezifischen Enzymen (z. B. Invertase oder Glucose-Isomerase) bei mäßigen Temperaturen gespalten. Dies kopiert exakt den Prozess, den auch die Biene mit ihrem körpereigenen Enzym beim Honigmachen durchführt. 
  • Ergebnis: Ein sehr sauberes Futter. Da keine extremen Temperaturen oder Säuren nötig sind, entsteht praktisch kein HMF (Hydroxymethylfurfural). HMF ist ein Abbauprodukt von Zucker, das für Bienen ab gewissen Konzentrationen hochgradig giftig ist. 
  • Qualität: Ausgezeichnet. Industrielles Premium-Fertigfutter (rübenzuckerbasiert) wird fast immer enzymatisch hergestellt.

Hier ist der direkte, übersichtliche Vergleich der vier bekannten Flüssigfuttermittel auf dem Markt, aufgeteilt nach ihren Rohstoffen, ihrer Zusammensetzung und ihren Eigenschaften für die Bienen:

1. Apiinvert (Südzucker AG, Deutschland)

  • RohstoffbasisReiner Rübenzucker (Saccharose). 
  • Herstellung: Rein enzymatische Spaltung (Invertierung). Dadurch entsteht kein gefährliches HMF (Hydroxymethylfurfural). 
  • Zuckerprofil: Sehr hoher Anteil an den Einfachzuckern Fructose (Fruchtzucker) und Glucose (Traubenzucker) sowie ein kleiner Restanteil Saccharose. Es enthält keine unverdaulichen Mehrfachzucker (Maltose oder Dextrine). 
  • Eigenschaften: Extrem kristallisationsstabil. Der hohe Fructose-Anteil sorgt dafür, dass das Futter in den Waben auch bei starkem Frost flüssig bleibt. Es schont die Winterbienen maximal, da sie keine eigene Energie für die Aufspaltung aufwenden müssen. 

2. ambrosia® Sirup (Nordzucker AG, Deutschland) 

  • Rohstoffbasis: Reiner Rübenzucker (Saccharose). 
  • Herstellung: Ebenfalls rein enzymatisch gespalten, hochgradig gereinigt und absolut geruchsneutral (wichtig zur Vermeidung von Räuberei). 
  • Zuckerprofil: Orientiert sich strikt am natürlichen Spektrum von Blütenhonig (hoher Fructose-, niedrigerer Glucose-Anteil). 
  • Eigenschaften: Mikrobiologisch extrem stabil, schimmelt und gärt praktisch nicht. Genau wie Apiinvert bietet es höchste Sicherheit gegen Auskristallisieren im Winter und belastet den Bienendarm minimal. 

3. AgenaBee® (AGRANA Stärke GmbH, Österreich) – Konventionell 

  • Rohstoffbasis: Reine, gentechnikfreie Maisstärke. 
  • Herstellung: Technologische Spaltung der Stärkeketten (Hydrolyse) und teilweise Umwandlung in Fructose. Stärke selbst ist im fertigen Sirup nicht mehr enthalten. 
  • Zuckerprofil: Sehr hoher Anteil an Maltose (Malzzucker, ca. 42 %), mäßig Glucose (ca. 24 %) und relativ wenig Fructose (ca. 17 %). 
  • Eigenschaften: Die wirtschaftlichste Variante im Vergleich. Durch das spezifische Zuckerprofil (viel Maltose, wenig Fructose) ist das Risiko für ein Festwerden (Kristallisieren) des Futters in den Waben bei sehr langen, harten Wintern moderat erhöht. Zudem müssen Bienen für den Abbau der Maltose etwas mehr Stoffwechselarbeit leisten. 

4. BioAgenabee® / AgenaBon® (AGRANA, Österreich) – Bio-Variante 

  • Rohstoffbasis: Eine Kombination aus Bio-Weizenstärke und Bio-Rübenzucker. 
  • Herstellung: Erfüllt alle Kriterien der biologischen Landwirtschaft (Bio-zertifiziert). 
  • Zuckerprofil: Durch das Untermischen von echtem Bio-Rübenzucker verändert sich das Zuckerspektrum im Vergleich zum konventionellen AgenaBee drastisch. Der Fructose-Anteil wird deutlich angehoben (auf knapp 30 %), während der Maltose-Anteil halbiert wird (auf ca. 20 %). 
  • Eigenschaften: Dieses Produkt bietet nicht nur das Bio-Siegel, sondern ist qualitativ hochwertiger für die Bienen als die konventionelle Variante. Durch den höheren Fructose- und geringeren Maltose-Anteil ist es kristallisationsstabiler und für die Überwinterung deutlich magenschonender.
5. BioVitabee® (AGRANA Stärke GmbH, Österreich) – Premium-Bio
Während das zuvor genannte BioAgenabee auf einer Mischung aus Bio-Weizenstärke und Bio-Rübenzucker basiert, ist BioVitabee® das reine Rübenzucker-Produkt im Bio-Segment von AGRANA.
  • Rohstoffbasis: Zu 100 % Bio-Zuckerrübe (vollständig bio-zertifiziert und gentechnikfrei).
  • Herstellung: Rein enzymatische Teilinvertierung des Bio-Rübenzuckers. Es wird komplett ohne den Einsatz von Säuren oder extremer Hitze produziert, wodurch der HMF-Wert extrem niedrig bleibt.
  • Zuckerprofil: Besteht zu annähernd gleichen Teilen aus Saccharose (ca. 34 %), Glucose (ca. 34 %) und Fructose (ca. 32 %) in der Trockenmasse. Es ist zu 100 % frei von Stärke, Maltose oder anderen Mehrfachzuckern (Oligosacchariden).
  • Eigenschaften: Dieses Produkt wurde speziell für Bio-Imker entwickelt, die bei der Überwinterung komplett auf stärkebasierte Futtermittel verzichten wollen. Durch das ausgewogene Verhältnis der Zuckerarten ist es dem natürlichen Blütenhonig extrem ähnlich, belastet die Kotblase der Bienen in der Winterruhe minimal und bietet eine hervorragende Kristallisationsstabilität (bleibt auch bei Frost flüssig).

Zusammenfassung im Überblick

Kriterium
Apiinvert
ambrosia ®
AgenaBee ® (Konv.)
BioAgenabee ®
BioVitabee ®
HerstellerSüdzucker (DE)Nordzucker (DE)AGRANA (AT)AGRANA (AT)AGRANA (AT)
RohstoffRübenzuckerRübenzuckerMaisstärkeBio Weizenstärke + Bio RübenzuckerReine Bio Zuckerrübe
Dominante ZuckerartenFructose + GlucoseFructose + GlucoseMaltose (42%)Glucose + FructoseSaccharose + Glucose + Fructose
Maltose / ReisstärkeKeinKeineSehr hochModeratKeine
Kristallisations-RisikoExtrem geringExtrem geringModeratGeringExtrem gering
Winter VerträglichkeitOptimalOptimalGut (bewährt)Sehr gutOptimal
ZertifizierungKonventionellKonventionellKonventionellBio (AT-BIO-301)Bio (AT-BIO-301)